100 Jahre Lennart Bernadotte
Vor 100 Jahren wurde Graf Lennart Bernadotte (1909-2004) als Enkel der schwedischen Königin Viktoria geboren. Schon früh erkannte der Inselherr der Mainau zwei Schlüsselthemen, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben: Nachhaltigkeit und Forschung. Durch sein tatkräftiges Engagement wurde Graf Lennart Bernadotte zum Vordenker und setzte wichtige Impulse für gesellschaftliche Entwicklungen.
Ein Meilenstein seines Wirkens war die „Grüne Charta von der Mainau“, die am 20. April 1961 auf seine Initiative hin von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur verabschiedet wurde. 11 Jahre vor der ersten Umweltkonferenz der UNO appellierte dieses Manifest bereits an ein gesundes Miteinander von Mensch und Natur. Graf Lennart Bernadotte war seiner Zeit damit weit voraus. „Die Grundlagen unseres Lebens sind in Gefahr geraten, weil lebenswichtige Elemente der Natur verschmutzt, vergiftet und vernichtet werden,“ heißt es in der Charta – ein Satz der auch heute noch, rund ein halbes Jahrhundert später, brandaktuell ist. Das Manifest beschreibt den Konflikt zwischen Nutzung und Erhalt natürlicher Ressourcen und legte damit die Basis für eine breite gesellschaftliche Umweltdiskussion, die in den folgenden Jahrzehnten in der Bundesrepublik intensiv ausgetragen wurde.
Wie ernst ihm die in der Charta formulierten Forderungen tatsächlich waren, zeigte Graf Lennart Bernadotte auch durch sein eigenes Wirken auf der Mainau. Schritt für Schritt gestaltete er die Mainau nicht nur zu einem erfolgreichen Tourismusbetrieb, sondern machte sie auch zu einem Ort, in dem naturnahe Räume erhalten und für den Menschen erlebbar werden. Als erster Park in Europa wurde die Mainau 1998 nach den EU-Öko-Audit-Umweltrichtlinien zertifiziert und verpflichtete sich damit, ihre Umweltstandards auch in Zukunft auszubauen. Graf Lennart Bernadotte und seine Frau Gräfin Sonja machten die Mainau damit zu einem gelebten Vorbild für andere Unternehmen.
Seine visionären Ideen verwirklichte Graf Lennart Bernadotte auch mit seinem Engagement für nachhaltige Wissenschaftsförderung als Beitrag zur Völkerverständigung. In einer Zeit, in der Deutschland nach dem Krieg sowohl politisch als auch wissenschaftlich isoliert war, glaubte Graf Lennart Bernadotte an die Fähigkeit der Wissenschaft, Grenzen zu überwinden. Sein Großvater, der schwedische König Gustaf V, hatte in Stockholm 1901 die ersten Nobelpreise verliehen. Graf Lennart Bernadotte brachte nun, genau ein halbes Jahrhundert später, Nobelpreisträger an den Bodensee: Zusammen mit den Lindauer Ärzten Gustav Parade und Franz Karl Hein initiierte er die Nobelpreisträgertagung in Lindau und brachte so junge Wissenschaftler mit den Koryphäen ihres Faches zusammen.
Was zunächst dazu gedacht war, deutschen Wissenschaftlern Zugang zu internationalen Forschungsnetzwerken zu ermöglichen, entwickelte sich schnell zu einem internationalen Forum, bei dem es vor allem darum geht, Wissenschaft greifbar zu machen und die Freude am Forschen zu entfachen. Nach wie vor besticht die Lindauer Tagung durch ihre offene Atmosphäre und den Austausch zwischen jungen Nachwuchswissenschaftlern und Studenten einerseits und Nobelpreisträgern andererseits. Graf Lennart Bernadotte prägte diesen Lindauer Dialog von der ersten Stunde an und begleitete die Tagung über Jahrzehnte als Präsident des Kuratoriums. Zu Ehren seines Wirkens wurde im Jahr 2000 die Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee gegründet, in deren Stiftungsversammlung mittlerweile mehr als 200 Nobelpreisträger Mitglied sind.
Die Schlüsselthemen Nachhaltigkeit und Forschung ziehen sich als zentrale Aspekte durch das Leben und Schaffen von Graf Lennart Bernadotte. Kuratorium und Stiftung der Nobelpreisträgertagungen schauen deshalb stolz und dankbar auf den „spiritus rector“ der Lindauer Treffen. Die in seinem Jubiläumsjahr stattfindende Ausstellung „Entdeckungen“ greift das Lebenswerk Graf Lennart Bernadottes auf und wagt einen Schritt weiter: Welche Rolle spielen Forschung und Nachhaltigkeit für die Zukunft? Welche Chancen kann die Wissenschaft für den Umweltschutz eröffnen? Die Ausstellung möchte verschiedenste Alternativen zur Beantwortung dieser Fragen zeigen. Vordenken ist ausdrücklich erlaubt.