Air_Born(e): Bauen auf Luft
18 Pavillons, mittels Drucksensoren aus leicht komprimierter Luft erbaut, beheimaten für die Sommermonate 2010 die Ausstellung „Entdeckungen“ auf der Insel Mainau im Bodensee. Luft, oder besser Atmosphäre, hat per se keine Form, sondern tritt nur durch unterschiedliche Sättigungsgrade in Verbindung mit Wasser als Wolken oder Bodennebel in Erscheinung. Zwingt man sie jedoch in eine Form, besitzt sie eine statische Qualität. Hülle und Druck gehen dabei eine architektonische Symbiose ein, da jeder Teil den anderen braucht, um fassbar und erlebbar zu werden. Getrennt durch eine millimeterdünne Haut, wird im Inneren der Druckhülle eine künstliche Atmosphäre geschaffen und mit Hilfe von einfachen technischen Hilfsmitteln kontrolliert. Die Architektur konzentriert sich in diesem Sinne auf die Schaffung von Abgrenzungen zwischen einer natürlichen und einer künstlich hergestellten Wettersituation. Hoch- und Niederdruckgebiete bieten die Vorraussetzung für die Schaffung von Raum.
Das Prinzip der Pavillons besteht aus einem „Tisch“ von pneumatischen Druckröhren. Dieser „Tisch“ ist fest mit dem Boden verankert und bildet den Rahmen, in welchen eine innere und äußere Hülle eingehängt werden. Lediglich diese beiden Hüllen treten ästhetisch in Erscheinung und sind frei wählbar in Materialität, Farbe und Form. Zwischen diesen beiden dünnen Häuten entsteht ein Zwischenraum, welcher für die Klimatisierung der Pavillons genutzt wird. Einstrahlende Wärme erhitzt die Luft in diesem Zwischenraum und lässt sie ähnlich einem Kamin nach oben steigen. Die aufsteigende Luft zieht dabei kältere Schichten in Bodennähe nach, durch Zirkulation entsteht eine natürliche Ventilation im Inneren.
Die Sonneneinstrahlung wird mit Hilfe von Solarzellen in elektrische Energie verwandelt und zur Speisung der drucksensiblen Ventilatoren gebraucht, die je nach Bedarf Luft in das System drücken oder absaugen. Sonne und Luft bilden somit die Baumaterialien einer ephemeren Ausstellungsarchitektur, welche innert Stunden auf- und abgebaut werden kann und somit flexibel für weitere Aufgaben wird. Das geringe Gewicht und Volumen der abgelassenen Pavillons, verstaut in einer Reisetasche, erlauben einen Ressourcen sparenden Transport und eine vielfältige Wiederverwendbarkeit als Festarchitektur. Sie dient der Inszenierung des öffentlichen Raums, der sich die bauliche Form eines nachhaltigen Nutzungskonzept zu eigen macht.
Bauherrschaft:
Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee
Entwurf und Planung:
DRKH Architecture
Dirk Hebel, Tobias Klauser, Leonard Kocan, Sascha Delz
Unterstützung und Beratung:
ETH Zürich
Prof. Dr. Marc Angélil
Produktion:
Evolution GmbH
Ossian Vogel, Ronny Herder
Statik:
Form TL
Gerhard Fessler
Landschaft und Bodenbau:
Insel Mainau GmbH
Markus Zeiler, Matthias Wagner, Theo Straub